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Die neue Generation von Mittelständlern: Wie Vestner Aufzüge aus einer Innovationseinheit heraus das Unternehmen Digital Spine gründete

Wie entwickelt man als traditioneller Mittelständler neue Geschäftsmodelle? Und wie kann aus einer solchen Innovationseinheit ein ganz neues, unabhängiges Unternehmen entstehen? Dr. André Jung ist Chief Product Officer der im September 2020 von Vestner Aufzüge ausgegründeten Firma Digital Spine. Im Convidera Unternehmergespräch erläuterte er, wie er diese seit September 2020 erfolgreich auf der Fahrt durch die Nebelwand navigiert. Zudem stellt er dar, welchen Prozess der Erkenntnis und welche Faktoren es bedurfte, um am Ende als komplett eigenständiges Unternehmen intelligente Software-Features für smarte Gebäude nicht nur an einen, sondern an viele zu verkaufen. 

Diese Geschichte hört man in der letzten Zeit häufiger: Nach einem Generationenwechsel in einem Familienunternehmen erkennt der Nachfolger die unternehmerische Notwendigkeit, die Firma digital zukunftsfest zu machen. Der Startschuss fällt für die Entwicklung neuer digitaler Geschäftsfelder. So ähnlich war das auch bei der Vestner Aufzüge GmbH, einem 90 Jahre alten Unternehmen mit über 300 Mitarbeitern und 50 Millionen Euro Jahresumsatz.


Die Gründungsidee: Selbstfahrende, smarte Aufzüge für alle

Die Idee von CEO Simon Vestner, Unternehmensleiter in der dritten Generation, und Dr. André Jung: Ein Geschäftsfeld zu entwickeln, das sich mit smarten Gebäuden und der Digitalisierung der Aufzugswelt im weiteren Sinne beschäftigt. Ihr Ziel ist das tiefe, jahrzehntelang aufgebaute Fachwissen zum Thema Aufzüge zu nutzen, um außerhalb des Kerngeschäfts langfristig zukunftsfeste neue Geschäftsfelder aufzutun.

Das meint konkret, die Ausstattung von Fahrstühlen mit einer Technologie, die dafür sorgt, dass diese z.B. aus der Ferne gesteuert werden können, dass Roboter in Gebäuden von einem Stockwerk ins nächste gelangen und Fahrstühle in Wohngebäuden erkennen, wenn Bewohner nach Hause kommen und sich selbstfahrend zu ihnen bewegen. Das Potential: 800.000 Aufzüge in Deutschland, die noch nicht smart bzw. selbstfahrend sind, egal ob Wohnhäusern, Hotels, Krankenhäusern oder Fabriken. Die Technologie basiert dabei auf Softwareschnittstellen, die einfach in bestehende Aufzüge implementiert werden können.

Der Weg dorthin: Es braucht Anpassungsfähigkeit, Geschwindigkeit und Mut zur Lücke und das richtige Mindset

Wie entwickelt man aus einer solchen Idee ein marktreifes Produkt? Dr. André Jung nennt vier Faktoren, die essentiell für seinen Erfolg waren:

- Agilität: Der Familienunternehmer und die Innovationseinheit selbst waren in der Lage, durch "Nebelwände" zu fahren und schnell auf neu gewonnene Erkenntnisse z.B. aus dem Markt zu reagieren, daraus zu lernen und sich anzupassen. 

- Geschwindigkeit: Ideen wurden einfach angefangen, gemacht, strukturiert ausprobiert und wissenschaftlich vertestet. Nur durch tägliches Vollgas auf die Entwicklung neuer Produkte konnte sich die Digitaleinheit den Vorsprung vor anderen sichern. 

- Mut zur Lücke: Nicht die Erstellung eines allumfassenden 5-Jahresplan war das Erfolgsrezept, sondern ein pragmatischer Plan, der Probleme löst, die akut anstehen und jederzeit je nach Veränderung der Rahmenbedingungen wieder angepasst werden kann. 

- Mindset: Damit man nicht Opfer seiner eigenen Expertise wurde und seine Innovationen blockierte, weil man geistig zu sehr in einem Produkt verhaftet war, holte sich Vestner externe Unterstützung. So gelang der neue Blick von außen auf das große Ganze, mit dem die Kernkompetenzen sichtbar wurden und um die herum man mutig neue Produkte entwarf.

 

Der Netzwerkansatz: Wissen teilen macht schneller

Ruderboot

Um sich als Mittelständler schneller digital zu transformieren, empfiehlt Dr. Jung, auf ein Netzwerk mit anderen Mittelständlern zu setzen. Denn diese können gute Partner sein, um eigene Ziele zügiger zu erreichen. 

So hat Digital Spine selbst hat seinen Sitz in den Räumlichkeiten des Maschinenraums in Berlin. Dieses von Viessmann initiierte Bündnis von Familienunternehmen, das Deutschlands Mittelstand digitalisieren will, vereint derzeit 20 Mittelständler unter einem Dach. Deren Innovationseinheiten arbeiten hier zusammen, um auf ihrer Reise durch die digitale Transformation kontinuierlich voneinander zu lernen und Erfahrungen zu teilen. Auch Digital Spine profitierte deutlich von dem Wissen über die richtigen Strukturen, Prozesse und Methodiken anderer digitaler Vorreiter und konnte hier so seine Lernkurve deutlich verbessern.

 

Das Ergebnis

Seit September 2020 ist die Digitaleinheit "Vestner Digital" nun in die eigenständige Digital Spine GmbH übergegangen. Diese liefert jetzt verschiedene Produkte für den Aufzugsmarkt: So ist damit bereits die Wartung aus der Ferne möglich. Und auch Hersteller von Aufzügen können diese neue Software-Schnittstelle nun in ihren Aufzug einbauen.  

 

Die Erfolgsformel: Kernkompetenzen + externes Digitalisierungsteam + radikales Mindset

Die Erfolgsgeschichte von Digital Spine folgt der vieler digitaler Vorreiter: Die Kombination von Kernkompetenzen mit externen Digitalisierungsteams sowie einem radikalen Mindset sind bewiesenermaßen die Garanten für das Gelingen von neuen digitalen Geschäftsfeldern. Erst das Bewusstmachen des Kerns seiner Kompetenz, erst der Blick von außen auf sich selbst durch andere und der Mut sich radikal zu wandeln, schaffen die Grundlage, sein Unternehmen fit für die Zukunft zu machen.  

Die Aufzeichnung sowie weitere Events finden Sie hier.

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